Fachtag der Kinderhospizarbeit

06. Mai 2026

Austausch, Reflexion und berührende Einblicke

Die Begleitung von Familien mit schwerstkranken Kindern erfordert nicht nur fachliches Wissen, sondern vor allem Einfühlungsvermögen, Haltung und innere Stabilität. Wie wichtig es ist, dafür immer wieder innezuhalten, sich auszutauschen und neue Impulse zu erhalten, wurde beim Fachtag der Kinderhospizarbeit am vergangenen Samstag im Haus der Kirche in Walsrode deutlich.
Eingeladen waren Ehrenamtliche aus dem Ambulanten Hospizdienst im Kirchenkreis Walsrode, der Lebensbrücke im Kirchenkreis Soltau, dem DASEIN Hospiz Nienburg sowie dem Hospizdienst Heidekreis Nord. Sie alle begleiten Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern – oft über viele Jahre hinweg und meist im häuslichen Umfeld.
Nach einem gemeinsamen Ankommen begann der Tag mit einer Supervision unter der Leitung von Verena Altenhofen. Die Diplom-Sozialpädagogin und Religionspädagogin begleitete die Teilnehmenden dabei, ihre Erfahrungen aus der Begleitung zu reflektieren, belastende Situationen anzusprechen und neue Perspektiven zu entwickeln.
In einem geschützten Rahmen entstand Raum für das, was im Alltag oft keinen Platz findet: Unsicherheiten, Fragen und auch die eigene Betroffenheit. Gerade in der Kinderhospizarbeit, die von intensiven Begegnungen und oft auch von Abschied geprägt ist, sind solche Angebote unverzichtbar. Sie geben Halt – und schaffen die Grundlage, auch anderen Halt geben zu können.
Nach der Mittagspause folgte ein besonderer Schwerpunkt des Fachtages: der Vortrag von Ellen Matzdorf aus Oldenburg, verbunden mit einer Lesung aus ihrem Buch „Vom ersten bis zum letzten Atemzug“.
Wenn ein Kind geboren wird – und zugleich Abschied genommen werden muss, geraten gewohnte Sicherheiten ins Wanken. Mit eindringlichen Worten führte Matzdorf in diese Grenzerfahrungen ein.
Matzdorf ist Hebamme – und wurde aus genau diesen Erfahrungen heraus auch Bestatterin. In ihrem Vortrag schilderte sie, wie prägend die Begleitung von Familien ist, deren Kinder rund um die Geburt sterben – bei Todgeburten, nach schweren Diagnosen oder auch nach späten Schwangerschaftsabbrüchen. Gerade in diesen Momenten, so machte sie deutlich, fehle es oft an Halt, an Zeit und an Raum für einen individuellen Abschied.
Auslöser für ihren ungewöhnlichen Weg war die Erfahrung als Hebamme, das Sterben eines Neugeborenen mitzuerleben – und gleichzeitig zu sehen, wie wenig Unterstützung Eltern in dieser Ausnahmesituation erhalten. Diese Erlebnisse ließen sie nicht los. Aus dem Wunsch heraus, diese Lücke zu schließen und Familien auch nach dem Tod ihres Kindes begleiten zu können, entschied sie sich, zusätzlich als Bestatterin zu arbeiten.
Heute begleitet sie Familien über die Geburt hinaus – in genau den Momenten, in denen aus Hoffnung Abschied wird. Die Lesung aus ihrem Buch verlieh diesen Erfahrungen eine besondere Tiefe. In ruhigen, eindringlichen Bildern wurde spürbar, wie nah Leben und Tod beieinanderliegen – und wie wichtig es ist, beidem mit Würde, Zeit und Achtsamkeit zu begegnen. Im Raum wurde es still.

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